Herzlich Willkommen auf dem Blog der ZAROF. Akademie

Hier informieren wir über Themen und Trends rund um das Thema der betrieblichen Fort- und Weiterbildung. Jeden Monat gibt es einen neuen Artikel.

Viel Spaß beim Lesen!

Im Standardwerk der Moderationsmethodik „ModerationsMethode“, das bereits 1991 erschienen ist, beschreiben die Autoren Klebert, Schrader und Straub zwölf Regeln zum Verhalten eines Moderators, die als Anhaltspunkt zur Reflektion der eigenen Vorgehensweise dienen sollen.

 
1. Fragen statt sagen

Mit dem Einsatz von Fragen wird die Kommunikation in Gang gesetzt. Aufgabe des Moderators ist es, das Wissen, den Willen und die Fantasie der Gruppe durch Fragen sichtbar zu machen und Bedürfnisse, Meinungen und Ziele herauszuarbeiten. Dabei eröffnen sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Gruppenmitglieder, die zur Lösungsfindung entscheidend beitragen. Es ist außerdem wichtig, möglichst nicht wertende, Mehrwert bietende und angemessene Fragen zu stellen.

 

 

2. Es ist alles eine Frage der Haltung

Die Haltung des Moderators gegenüber der Gruppe ist zentral. Alle Einstellungen und Gedanken, die er ihr gegenüber besitzt, strahlt er bewusst oder unbewusst mit beispielsweise Blicken, Bewegungen und Tonfall aus. Zudem spiegeln sie sich wiederum in Verhalten und Stimmung der Gruppe wider. Deshalb ist es wichtig, sich als Moderator seiner Haltung, Stärken und Schwächen bewusst zu sein und aktiv an eigenen Blockaden oder Ängsten zu arbeiten.

3. Nicht gegen die Gruppe ankämpfen

Die vorstehende Position des Moderators suggeriert, dass er Diskussionen und Prozesse der Gruppe steuert. Tatsächlich ist aber das Gegenteil der Fall: Er muss sich inhaltlich zurücknehmen und darf keine persönlichen Bewertungen oder Einstellungen in die Moderation einfließen lassen. Das bedeutet auch, keinen Leistungsdruck auszuüben und jede Meinung zu einem Thema anzunehmen und gelten zu lassen. Seine Aufgabe besteht dagegen darin, den Prozess im Sinne der Gruppe zu begleiten und nachhaltige Ergebnisse hervorzubringen.

4. Störungen haben Vorrang

Störungen können körperlich, d.h. durch Kälte, Schmerz, Hunger, Durst, und psychisch, also durch Ärger, Angst, Traurigkeit oder Ähnliches, auftreten. Sie stellen innerhalb des Prozesses Lern- und Kommunikationsbarrieren dar. Werden diese nicht erkannt oder unterdrückt und nicht bearbeitet, verhindern oder verfälschen sie den Problemlösungsprozess maßgeblich. Deshalb sollte der Moderator zuerst die erkannte Störung bearbeiten, bevor sich die Gruppe dem ursprünglichen Thema widmet.

5. Unterscheide: Wahrnehmen, vermuten, bewerten

Die meisten Missverständnisse entstehen, wenn sich durch die Wahrnehmung einer Situation eine bestimmte Vermutung über deren Hintergründe festigt und diese ohne Abgleich mit der Wirklichkeit in eine Bewertung mündet. Für den Moderator ist es deshalb wichtig, diese drei Bausteine zu unterscheiden. Dazu können verschiedene Vermutungen auf Grundlage einer Wahrnehmung erstellt werden, um unterschiedliche Bewertungen der Situation erkennen zu können.

6. Ich statt man

Bei der Formulierung von Überzeugungen, Einstellungen und Meinungen ist es nicht nur für den Moderator, sondern auch für die Gruppe sinnvoll, in der Ich-Form zu sprechen, statt das verallgemeinernde „man“ zu verwenden. Dadurch übernimmt der Redner Verantwortung für seine Aussage, beschreibt unmissverständlich nur seine Perspektive und vermeidet damit Unterstellungen an Dritte.

7. Nonverbale Signale beachten

Im Gegensatz zu sprachlichen Ausdrücken geben die Signale des Körpers, also Mimik, Gestik, Bewegung und Haltung, sehr verlässlich Auskunft über die Stimmung und Einstellung einer Person. Die Aufgabe des Moderators ist es, nonverbale Signale aufzunehmen und den Gruppenteilnehmern die Möglichkeit zu geben, ihre Empfindungen auszudrücken.

8. Nicht bewerten und beurteilen

Während der Moderation ist es für den Moderator wichtig, jede Äußerung, Meinung und auch jedes Verhalten als gleichwertig anzunehmen und neutral zu behandeln. Verbale und nonverbale Signale für beispielsweise wichtige Stellungnahmen, Probleme oder Unbehagen müssen aufgegriffen und in der Moderation bearbeitet werden, statt sie durch Beurteilungen zu intensivieren oder abzuschwächen.

9. Sich nicht rechtfertigen

Eine Provokation seitens der Gruppe kann dazu führen, dass der Moderator glaubt, sich oder seine Methode rechtfertigen zu müssen. Oft ist dies ein Zeichen dafür, dass die Gruppe einen Sündenbock für ihre Schwierigkeiten sucht. Statt sich zu erklären oder zu entschuldigen sollte diese Störung durch die Erarbeitung der Hintergründe dieser Provokation durch den Moderator bearbeitet werden.

10. Nicht über die Methode diskutieren

Über die grundlegende Methode diskutieren zu wollen signalisiert die Blockade einer Gruppe oder einzelner Teilnehmer, nicht an das Problem herantreten zu wollen. An dieser Stelle ist es wichtig, die Gründe herauszuarbeiten, die die Problembearbeitung verhindern.

11. Zu zweit moderieren

Ein Moderatoren-Team aus zwei Personen birgt einige Vorteile während der Moderation. Es bietet der Gruppe ein breites Verhaltensspektrum zur Orientierung sowie visuelle Abwechslung. Außerdem können sich die Moderatoren in schwierigen Situationen unterstützen, parallele Tätigkeiten wie beispielsweise Schreiben und Sprechen vereinfacht ausführen und sich in ihren Eindrücken und Beobachtungen ergänzen.

12. Je nachdem

Für die gesamte Moderation ist es wichtig und wertvoll, sich nicht an vorgegebenen Abläufen und Regeln festzuhalten. Vielmehr sollte sich der Moderator – trotzdessen oder gerade weil er das Instrumentarium beherrscht – auch von seiner Intuition leiten lassen und je nach Situation und Gruppe flexibel agieren.

Einen Kommentar verfassen

Als Gast kommentieren

0

Kommentare (18)

Lade vorherige Kommentare